Vorderer Zugang zum Hüftgelenk (AMIS, DAA)

Der AMIS-Zugang (Anterior Minimally Invasive Surgery = vorderer minimal invasiver Zugang) oder DAA (Direct Anterior Approach) ermöglicht eine weitgehend muskelschonende Operation. Das Risiko, Muskeln, Sehnen, Gefässe und Nerven zu verletzen, soll vermindert werden, obwohl gerade vorne am Hüftgelenk wichtige Gefäße und Nerven verlaufen. Um den Zugang durchführen zu können, muss der Patient in eine Streckvorrichtung eingespannt werden. Daher müssen Fuss und Schambein (zwischen den Beinen wird als Gegenlager ein Pflock plaziert) besonders gut gepolstert werden. Es ist sehr strittig, ob hier noch die Bezeichnung „minimal-invasive“ zutrifft. Bei keinen anderen Zugängen zur Hüfte ist diese Art von Streckung notwendig.

Vorteile: Keine Durchtrennung von Muskeln

Nachteile: Verletzung von Muskeln durch Dehnung, Zug oder Zerreissung, Verletzung von Gefäßen und Nerven der Leistenregion, mögliche Druckschädigungen im Scham- und Fußbereich, schlechtere Narbenbildung, Nähe zum Schambeinbereich.

Hier findet sich ein guter, aber auch schonungslos offener Kommentar zu diesem Zugang:

„Der aktuelle Trend in der orthopädischen Chirurgie ist die Vermarktung des „Anterior Approach“ (AMIS) beim Hüftgelenkersatz. Die Befürworter dieses Zuganges nutzen viele Möglichkeiten, um in die Öffentlichkeit zu gelangen. Er wird als neue, erweiterte, revolutionäre, überlegene Methode mit schneller Rehabilitation und mit geringerem Luxationsrisiko … etc verkauft. Es ist bei weitem nicht der Fall, dass diese Informationen als gültig und wissenschaftlich angesehen werden oder dies eine gut akzeptierte Tatsache in den Kreisen der orthopädischen Medizin wäre. Einige frühe Studien haben die Vorteile des anterioren Zugang unterstützt. Allerdings gibt es auch viele Studien mit gegenteiligem Urteil, die keine signifikanten Unterschiede in den Ergebnissen zeigen, jedoch andere neue Komplikationen und Risiken als Kompromiss. Die Hervorhebung a.) nur der möglichen Vorteile, b) der vermeintlichen Erleichterung der Regeneration und c) eines Einflusses auf den langfristigen Erfolg führt zu einer starken Verzerrung des Gesamtbildes. Ich glaube, dass diese Art der Darstellung ein schlechter Dienst an der Öffentlichkeit ist. Anstatt eines wissenschaftlichen Informationsdienstes sollte dieser aufwendige Werbeaufwand als das gesehen werden, was er ist: Es ist ein Verkaufsbemühen, um einen höheren Marktanteil bei Patienten zu gewinnen. Alle Zugänge zur Hüfte haben Vor- und Nachteile. Es ist nicht unbedingt schlecht, hoch motivierte vehemente Verfechter ihrer Interessen und Meinungen zu haben. Allerdings, wenn es um Medizin geht, kann die Öffentlichkeit Schwierigkeiten haben, „Werbung“ von allgemein akzeptierten medizinischen Fakten zu trennen. Die Qualitäten und Fähigkeiten des Chirurgen sind viel wichtiger als die Frage, welcher chirurgische Zugang verwendet wird. Ich stelle den Patienten vollständig alle Optionen dar, damit sie eine Wahl treffen können, aber nicht basierend auf „Marketing“ als Tatsache.“ (John G. Mayer M.D.,Libertyville, Illinois, 2013)

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